Diabetes mellitus Typ 3c: Krankheiten der Bauchspeicheldrüse
Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist eine Drüse, die unterhalb des Magens im hinteren Bauchraum liegt. Sie hat wichtige Bedeutung für den gesamten Stoffwechsel, insbesondere für die Verdauung und den Zuckerstoffwechsel. Für diese beiden Aufgaben sind unterschiedliche Teile zuständig:
Für die Blutzuckerregulation ist es das „Inselorgan“, welches Insulin und Glukagon bildet und ins Blut abgibt. Diese sind bedeutsame Hormone (Botenstoffe) für die Blutzuckerregulation. Diese Funktion der Bauchspeicheldrüse nennt man auch „endokrine Funktion“. Die Zellen, in denen Insulin und Glukagon hergestellt wird, sind die nach ihrem Entdecker Paul Langerhans benannten Langerhans`schen Inseln. Sie liegen „insel“-artig gruppiert über die gesamte Bauchspeicheldrüse verteilt. Von diesen Inseln abgeleitet wurde die Bezeichnung Insulin für das den Körperzucker senkende Hormon.
Die Bauchspeicheldrüse ist darüber hinaus wichtig für die Verdauung. Sie produziert verschiedene Verdauungsenzyme, welche die Nahrung in kleinste Bausteine zerlegen. Sie ermöglichen dadurch, dass die Nahrungsbestandteile aus dem Darm ins Blut aufgenommen werden können. Täglich produziert die Bauchspeicheldrüse etwa 0,5 – 1,5 Liter Verdauungssäfte und gibt diese in den Dünndarm ab. Diese Funktion der Bauchspeicheldrüse wird auch als „exokrine Funktion“ bezeichnet. Fehlen diese Enzyme, kann die Nahrung nicht richtig zerlegt und deren Bestandteile nicht in das Blut aufgenommen werden. Dies hat erhebliche Durchfälle, Blähungen und Bauchkrämpfe zur Folge. Darüber hinaus kommt es zu Mangelzuständen im Körper, insbesondere von fettlöslichen Vitaminen.
Die spezielle Form Typ-3-Diabetes kann durch Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder andere Störungen hervorgerufen werden.
Quelle:
Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft: „Definition, Klassifikation, Diagnostik und Differenzialdiagnostik des Diabetes mellitus: Update 2022“ https://www.ddg.info/fileadmin/user_upload/05_Behandlung/01_Leitlinien/Praxisempfehlungen/2022/dus_2022_Praxisempfehlungen_Landgraf_Klassifikation-und-Diagnostik.pdf
Durch Erkrankungen, Verletzungen oder gar der Entfernung der Bauchspeicheldrüse kann sich ein Diabetes „Typ 3 C“ entwickeln. Er wird korrekterweise als pankreopriver Diabetes bezeichnet. Folgende Ursachen können vorliegen: Eine akute oder chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) kann zu einem Ausfall beider (exokrine und endokrine) Funktionen der Bauchspeicheldrüse führen.
Eine akute Entzündung führt eher selten zu einem permanenten Diabetes. Sind die Ursachen der Entzündung beseitigt, normalisieren sich in der Regel auch die Funktionen der Bauchspeicheldrüse. Zu den häufigsten Ursachen der akuten Entzündung zählen Gallenwegserkrankungen und Gallensteine.
Eine chronische Entzündung führt häufiger zu einem Diabetes. Dieser kann sich jedoch verzögert, eventuell erst nach Jahren entwickeln. Voraussetzung dafür ist, dass große Teile der Bauchspeicheldrüse und somit auch des Inselorgans zerstört sind. Ursache einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung ist häufig Alkohol und nur seltener eine Gallenwegserkrankung oder eine andere Ursache. Durch Verletzungen wie z.B. einen Unfall oder einen Tumor kann es nötig werden, einen Teil oder auch die ganze Bauchspeicheldrüse zu entfernen. Dann müssen beide Funktionen (Insulinproduktion und Enzymproduktion) ausgeglichen werden.
Behandlung: Bei erhöhten Blutzuckerwerten wird eine Insulintherapie mittels Injektion oder Pumpe nötig. Passend zu den jeweiligen Mahlzeiten werden der erhöhte Zucker und der Bedarf entsprechend der Kohlenhydrataufnahme ausgeglichen („prandiale Insulingabe“, intensivierte Insulintherapie bzw. Insulinpumpentherapie). Dafür verwendet man häufig moderne Analog-Insuline. Ein Diabetes „Typ 3 C“ ist in der Regel durch einen niedrigen Insulinbedarf und eine große Instabilität gekennzeichnet. Eine Tablettentherapie ist bei einem Typ 3 C Diabetes oftmals nicht möglich.
Therapie des Enzymmangels: Der Defekt der Enzymproduktion der Bauchspeicheldrüse muss in der Regel lebenslang mit fettspaltenden und die Verdauung unterstützenden Enzymen ausgeglichen werden. Dadurch nimmt auch die Stabilität der Zuckerschwankungen zu. Zu beachten ist, dass ein Enzymmangel durch die ungenügende Aufnahme von Fetten auch zu einem behandlungsbedürftigen Mangel an fettlöslichen Vitaminen führen kann.
Eine Diabetesschulung ist wichtiger Bestandteil der Behandlung. Sie umfasst dabei insbesondere Informationen zur Grunderkrankung, zur erforderlichen Ernährung incl. Einschätzung der Kohlenhydrate, zur Insulintherapie (intensivierte Insulintherapie oder Insulinpumpentherapie), Methoden der Stoffwechselselbstkontrolle (in der Regel kontinuierliche Glukosemessung) und zur Dosisanpassung des Insulins und den erforderlichen ärztlichen Kontrollen im Rahmen von Betreuungsprogrammen.